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Gandhis Lehre in 67 Thesen

Gandhi+Spruch1563A PILGRIMAGE FOR PEACE/ GANDHI AND FRONTIER GANDHI AMONG N. W. F.‘s PATHANS/ BY PYARELAL (1950). [demnächst deutsch bei Afghanic]

ANHANG:
QUINTESSENZ VON SATYAGRAHA

Der Anhang besteht aus einer vom Autor Nair Pyarelal zusammengestellten Sammlung aus Gandhis Schriften. Darin wird die Wissenschaft Satyagraha in Theorie und Praxis in einer vollständigen Skizze zusammenhängend so dargestellt, wie Gandhi sie den kriegerischen Pathanen erklärt hat.

I
EINLEITUNG

Rechte und Pflichten
1. Von meiner des Lesens unkundigen, aber weisen Mutter habe ich gelernt, dass alle Rechte nur infolge einer wohl erfüllten Pflicht verdient und gewahrt werden können. Folglich erwächst uns die bloße Lebensberechtigung daraus, dass wir unsere Pflicht als Bürger der Welt erfüllen. Von dieser einen grundlegenden Feststellung aus ist es wohl recht einfach, die Pflichten von Mann und Frau zu formulieren und jedes Recht mit einer entsprechenden Pflicht zu verbinden, die zuvor erfüllt werden muss. Jedes andere Recht kann als widerrechtliche Aneignung erwiesen werden, für die zu kämpfen sich kaum lohnt.
2. Jeder Mensch hat ein gleiches Recht auf Erfüllung der Grundbedürfnisse seines Lebens, ebenso wie es Vögel und andere Tiere haben. Und da jedes Recht eine ihm entsprechende Pflicht und ein entsprechendes Mittel zum Widerstand gegen einen Angriff darauf mit sich bringt, geht es nur darum, die entsprechenden Pflichten und Mittel herauszufinden, um die elementare Gleichheit zu verfechten. Die entsprechende Pflicht ist, dass ich mit meinen Gliedmaßen arbeite, und das entsprechende Mittel ist, mit demjenigen, der mich der Früchte meiner Arbeit beraubt, nicht zusammenzuarbeiten.

Ahimsa — die oberste Pflicht
3. Ahimsa ist das Mittel, Wahrheit ist das Ziel. Damit Mittel Mittel sein können, müssen sie immer innerhalb unserer Reichweite liegen und so ist ahimsa unsere oberste Pflicht.

II
AHIMSA – IHR WESEN

Ahimsa (Gewaltfreiheit) – eine positive Eigenschaft
4. In ihrer positiven Form bedeutet ahimsa die größte Liebe, die größte Nächstenliebe. Wenn ich ein Anhänger von ahimsa bin, muss ich meinen Feind lieben. Ich muss bei dem Übeltäter, der mein Feind oder mir fremd ist, dieselben Regeln anwenden, die ich meinem Unrecht tuenden Vater oder Sohn gegenüber anwenden würde. Zur aktiven ahimsa gehört notwendig Wahrheit und Furchtlosigkeit. Da der Mensch den, den er liebt, nicht betrügen kann, fürchtet er ihn weder noch macht er ihm Angst. Das Geschenk des Lebens ist das größte aller Geschenke. Ein Mensch, der es in Wirklichkeit hingibt, entwaffnet alle Feindseligkeit. Er ebnet den Weg für eine ehrenhafte Verständigung. Und niemand, der selbst der Furcht unterworfen ist, kann dieses Geschenk gaben. Deshalb muss er selbst furchtlos sein. Ein Mensch kann also nicht gleichzeitig ahimsa praktizieren und ein Feigling sein. Das Praktizieren von ahimsa bringt den größten Mut hervor.

Die Macht der Gewaltfreiheit
5. Wenn satya mit ahimsa verbunden wird, liegt einem die Welt zu Füßen.
6. Richtig verstandene ahimsa ist das Allheilmittel für alle weltlichen und außerweltlichen Übel.
7. Gewaltfreiheit in ihrer dynamischen Verfassung ist keine demütige Unterwerfung unter den Willen des Übeltäters, sondern sie bedeutet: Man nimmt den Kampf mit dem Tyrannen auf. Wenn ein Einzelner unter dem Gesetz unseres Seins wirkt, ist es ihm möglich, der gesamten Macht eines ungerechten Reiches zu trotzen, um seine Ehre, seine Religion und seine Seele zu retten und die Grundlage für den Fall oder die Erneuerung dieses Reiches zu legen.
8. Es ist ein schwerer Irrtum anzunehmen, dass das Gesetz, das für Einzelne gut ist, nicht auch gut für die Massen der Menschheit wäre.
9. Es ist die Feuerprobe für Gewaltfreiheit, dass in einem gewaltfrei ausgetragenen Konflikt kein Groll bestehen bleibt und die Feinde am Ende in Freunde verwandelt werden.

Gewaltfreiheit im Leben des Einzelnen und des Kollektivs
10. Ich halte daran fest, dass Gewaltfreiheit nicht nur eine Eigenschaft des Einzelnen ist. Sie ist auch eine soziale Eigenschaft, die wie andere Eigenschaften gepflegt werden muss. Im täglichen Umgang miteinander wird die Gesellschaft durch den Ausdruck von Gewaltfreiheit geregelt. Was ich verlange, ist die Ausdehnung davon in größerem, nationalen und internationalen Maßstab.

Gewaltfreiheit – das Gesetz der menschlichen Rasse
11. Gewaltfreiheit ist das Gesetz der menschlichen Rasse und sie ist unendlich viel größer als brutale Kraft und ihr weit überlegen.
12. Die einzige Bedingung für einen erfolgreichen Einsatz dieser Kraft ist eine Anerkennung der Existenz der Seele als etwas, das vom Körper getrennt ist, und ihrem dauerhaften Wesen. Und diese Anerkennung muss einem lebendigen Glauben gleichkommen und darf nicht nur ein intellektuelles Verständnis sein.
13. Letzten Endes nützt Gewaltfreiheit dem nichts, der nicht einen lebendigen Glauben an den Gott der Liebe hat.
14. Gewaltfreiheit gewährt der Selbstachtung und dem Ehrgefühl vollkommenen Schutz, jedoch nicht immer dem Besitz von Land oder beweglicher Habe. Allerdings erweist sich ihre gewohnheitsmäßige Ausübung als ein besseres Bollwerk als der Besitz bewaffneter Männer, um diese zu verteidigen.
Gewaltfreiheit ist ihrem Wesen nach keine Hilfe bei der Verteidigung unrechtmäßig erworbenen Besitzes und unmoralischen Handelns.
15. Einzelne und Nationen, die Gewaltfreiheit praktizieren, müssen bereit sein, alles außer ihrer Ehre zu opfern (Nationen bis zum letzten Mann). Daher ist sie mit dem Besitz von Ländern, die anderen gehören nicht zu vereinbaren, d. h. mit modernem Imperialismus, der sich zu seiner Verteidigung offen auf Gewalt stützt.
16. Gewaltfreiheit ist eine Macht, die von allen gleichermaßen ausgeübt werden kann, von Kindern, jungen Männern und Frauen und Erwachsenen, vorausgesetzt sie haben einen lebendigen Glauben an den Gott der Liebe und lieben deshalb die ganze Menschheit in gleicher Weise. Wenn Gewaltfreiheit als Gesetz des Lebens angenommen wird, muss sie das ganze Wesen durchdringen und darf nicht nur auf einzelne Handlungen angewendet werden.

Gewaltfreiheit und Politik – Grundprinzip
17. Ich könnte kein religiöses Leben führen, wenn ich mich nicht mit der gesamten Menschheit identifizieren würde. Das wiederum könnte ich nicht tun, ohne an der Politik teilzunehmen. Das gesamte Spektrum der menschlichen Aktivitäten heute bildet ein untrennbares Ganzes. Man kann nicht sozial-ökonomisch-politische und rein religiöse Arbeit in wasserdicht von einander getrennte Abteilungen teilen. Ich kenne keine von menschlicher Aktivität abgesonderte Religion.
18. Niemand kann aktiv gewaltfrei sein, ohne dass er sich gegen soziale Ungerechtigkeit erhebt, ganz gleich, wo sie auftritt.
19. Gewaltfreiheit auf weltliche Weise ausüben heißt, ihren wahren Wert kennen. Er besteht darin, den Himmel auf die Erde zu bringen. In der anderen Welt gibt es so etwas nicht. Alle Welten sind eines. Ich halte es daher für falsch, den Einsatz von Gewaltfreiheit auf Höhlenbewohner zu beschränken und Verdienst für eine bevorzugte Stellung in der anderen Welt zu erwerben. Keine Eigenschaft ist von Nutzen, wenn sie nicht einen Zweck in jedem Leben erfüllt.

Gewaltfreiheit—Eigenschaft der Starken
20. Ich glaube, dass in einem Fall, in dem man nur zwischen Feigheit und Gewaltanwendung wählen kann, ich zur Gewaltanwendung raten würde.
21. Mein Glaube an Gewaltfreiheit ist eine äußerst aktive Kraft. Sie hat keinen Platz für Feigheit oder auch nur für Schwäche. Es besteht Hoffnung für einen gewalttätigen Menschen, dass er eines Tages gewaltfrei wird, aber keine für einen Feigling.
22. Gewaltfreiheit setzt die Fähigkeit voraus zuzuschlagen. Sie ist eine bewusste, wohlüberlegte Einschränkung des Wunsches nach Rache. Aber Rache ist immer passiver weibischer und hilfloser Unterwerfung überlegen. Vergebung ist noch darüber.
23. Vergebung ist männlicher als Bestrafung. Vergebung ziert den Soldaten. Aber Enthaltung ist nur Vergebung, wenn die Macht zur Bestrafung vorhanden ist. Sie ist bedeutungslos, wenn sie vorgibt, von einem hilflosen Geschöpf auszugehen.
24. Gewaltfreiheit ist ausnahmslos Gewalt überlegen, d. h. die die Macht, die einer gewaltfreien Person zur Verfügung steht, ist immer größer als die, die er hätte, wenn er gewalttätig wäre.
25. Mann für Mann entspricht die Stärke der Gewaltfreiheit genau der Fähigkeit der gewaltfreien Person, nicht ihrem Willen, Gewalt anzuwenden.

III
SEELENKRAFT IM EINSATZ

Satyagraha oder Seelenkraft – Das Gesetz der Wahrheit
26. Den Ausdruck Satyagraha habe ich in Südafrika geprägt, um die Kraft auszudrücken, die die Inder dort volle acht Jahre eingesetzt haben. Seine Grundbedeutung ist: sich an die Wahrheit halten. Ich habe dasselbe auch Liebeskraft und Seelenkraft genannt.
27. Bei der Anwendung von Satyagraha entdeckte ich gleich in den frühesten Stadien, dass das Streben nach Wahrheit nicht erlaubte, gegen einen Gegner Gewalt anzuwenden.
28. Denn das, was dem einen als Wahrheit erscheint, kann dem anderen als Irrtum erscheinen. Und Geduld bedeutet Selbstleiden. Die Doktrin lief also darauf hinaus, dass sie eine Verteidigung der Wahrheit bedeutet, nicht, indem man dem Gegner Leid zufügt, sondern sich selbst.
29. Außer im politischem Bereich besteht der Kampf seitens des Volkes meist darin, sich dem Fehler in Gestalt von ungerechten Gesetzen zu widersetzen. Wenn es einem nicht gelungen ist, dem Gesetzgeber seinen Fehler auf dem Weg von Petitionen und dergleichen klarzumachen, ist, wenn man sich nicht dem Fehler unterwerfen will, das einzige Mittel, das einem offensteht, IHN MIT PHYSISCHER Kraft zu zwingen, einem nachzugeben, oder durch Leiden in eigener Person, nachdem man für den Gesetzesbruch eine Strafe heraufbeschworen hat. In dem Fall erscheint Satyagraha der Öffentlichkeit als ziviler Ungehorsam oder ziviler Widerstand. Er ist zivil in dem Sinn, dass er nicht kriminell ist.

Satyagraha als direkte Aktion – wie das funktioniert
30. Es ist eine Kraft, die schweigend und scheinbar langsam wirkt. Tatsächlich gibt es keine Kraft in der Welt, die so direkt und so rasch wirkt.
31. Das härteste Herzu und die gröbste Unwissenheit muss vor der aufgehenden Sonne von Leiden ohne Wut und Boshaftigkeit verschwinden.
32. Und wenn es erst einmal in Gang gesetzt ist, kann seine Wirkung, wenn es intensiv genug ist, das ganze Universum überraschen. Es ist die größte Kraft, weil es der höchste Ausdruck der Seele ist.
33. Da Satyagraha eine der machtvollsten Methoden der direkten Aktion ist, erschöpft ein satyagrahi zuerst alle anderen Mittel, ehe er zu Satyagraha greift. Deshalb wird er ständig und ausdauernd die organisierten Autoritäten angehen, er wird an die öffentliche Meinung appellieren, die öffentliche Meinung belehren, seinen Fall ruhig und kühl jedem vortragen, der ihm zuhören will, und erst wenn er alle diese Vorgehensweisen erschöpft hat, wird er zu Satyagraha greifen. Wenn er jedoch den ihn vorantreibenden Ruf seiner inneren Stimme in seinem Inneren gehört und wenn er Satyagraha begonnen hat, hat er die Boote hinter sich verbrannt und es gibt für ihn kein Zurück.

Die zehn Gebote Satyagrahas
34. Satyagraha ist äußerste Selbstauslöschung, größte Demut, größte Geduld und strahlendster Glaube. Es ist seine eigene Belohnung.
35. Als satyagrahi muss ich mir immer und immer wieder in die Karten schauen lassen und muss, wenn irgendein Fehler entdeckt wurde, diesen korrigieren.
36. Satyagraha ist sanft, es verwundet nie. Es darf nicht das Ergebnis von Wut oder Boshaftigkeit sein. Es ist niemals kleinlich, nie ungeduldig, nie lautstark. Es ist das genaue Gegenteil von Zwang.
37. Ein satyagrahi will nicht auf Satans Schwingen in den Himmel fliegen.
38. Er muss an Wahrheit und Gewaltfreiheit als seinem Glaubensbekenntnis festhalten und darum an die dem menschlichen Wesen innewohnende Güte glauben, die er durch seine Wahrheit und Liebe, die sich durch sein Leiden ausdrücken, hervorzurufen erwartet.
39. Ein satyagrahi versäumt nie eine Gelegenheit zum Kompromiss zu ehrbaren Bedingungen – und kann diese auch nie versäumen. Im Fall eines Kompromisses geht man immer davon aus, dass, falls er sich als Fehler herausstellt, der satyagrahi immer bereit ist, eine Schlacht zu bieten. Er braucht keine Vorbereitung; seine Karten liegen immer offen auf dem Tisch.
40. Ein satyagrahi sagt der Furcht Lebewohl. Deshalb fürchtet er sie niemals davor, seinem Gegner zu vertrauen. Selbst wenn sein Gegner ihn zwanzigmal getäuscht hat, vertraut er ihm zum einundzwanzigsten Mal, denn bedingungsloses Vertrauen ist das Wesen seines Glaubens.
41. Ein satyagrahi hat niemals die Absicht, den Übeltäter zu beschämen. Er appelliert niemals an seine Angst, sondern immer – so ist es und muss es sein – an sein Herz. Das Ziel des satyagrahi ist es, den Übeltäter zu bekehren, nicht, ihn zu zwingen. In allem, was er tut, sollte er Künstlichkeit vermeiden. Er handelt natürlich und aus innerer Überzeugung.
42. Das Wesen der Wissenschaft Satyagraha hindert den satyagrahi daran, mehr als den unmittelbar vor ihm liegenden Schritt zu sehen.
43. Ein satyagrahi darf niemals den Unterschied zwischen Übel und Übeltäter außer Acht lassen. Gegen diesen darf er keine Feindschaft oder Bitterkeit hegen. Er soll einem bösen Menschen gegenüber nicht einmal unnötig kränkende Worte verwenden, wie unerträglich sein Übel auch sein mag. Denn es ist ein Glaubensartikel eines jeden satyagrahi, dass in dieser Welt niemand so verworfen ist, dass er nicht mit Liebe bekehrt werden könnte. Ein satyagrahi wird immer versuchen, Böses mit Gutem, Wut mit Liebe, Unwahrheit mit Wahrheit und himsa durch ahimsa zu überwinden. Es gibt keine andere Möglichkeit, die Welt vom Bösen zu reinigen.

Die Waffe Nichtzusammenarbeit
44. Nichtzusammenarbeit mit dem Bösen ist ebenso eine Pflicht wie die Zusammenarbeit mit dem Guten.
45. Wenn wir fest der Meinung sind, dass uns schweres Unrecht angetan wurde und wenn wir nach einem Appell an die höchste Autorität keine Abhilfe erreichen, muss uns eine Macht zur Verfügung stehen, das Unrecht zu beseitigen.
46. Wir dürfen nicht so lange warten, dass das Unrecht gebessert wird, bis im Übeltäter ein Gefühl seiner Schuld erwacht ist. Sondern wir müssen das Unrecht dadurch bekämpfen, dass wir aufhören, den Übeltäter direkt oder indirekt zu unterstützen.
47. Die Aufgabe eines jeden gottesfürchtigen Menschen ist es, sich ganz und gar ohne Rücksicht auf die Folgen von dem Unrecht zu distanzieren.
48. Nichtzusammenarbeit bedeutet vor allem, einem Staat die Zusammenarbeit zu verweigern, der nach der Ansicht dessen, der nicht zusammenarbeitet, korrumpiert worden ist. Gleichzeitig schließt ziviler Ungehorsam seine heftige Variante aus. Nichtzusammenarbeit steht ihrem Wesen nach auch verständigen Kindern offen und kann von Massen auf sichere Weise angewendet werden. Auch
Nichtzusammenarbeit ist ebenso wie ziviler Ungehorsam ein Zweig von Satyagraha, das allen gewaltfreien Widerstand für die Verteidigung der Wahrheit umfasst. Nichtzusammenarbeit als solche ist ungefährlicher als Ziviler Ungehorsam, seine Wirkung ist jedoch weit gefährlicher für die Regierung als ziviler Ungehorsam. Nichtzusammenarbeit hat die Absicht, die Regierung lahmzulegen und Gerechtigkeit von ihr zu erzwingen. Wenn sie auf den äußersten Punkt gebracht wird, kann sie die Regierung zum Stillstand bringen.
49. Nichtzusammenarbeit ist kein passiver Zustand, sie ist ein äußerst aktiver Zustand. Passiver Widerstand ist eine falsche Bezeichnung.
50. Meine Nichtzusammenarbeit gilt Methoden und Systemen, niemals Menschen.
51. Hinter meiner Nichtzusammenarbeit steht immer der heftige Wunsch, selbst mit dem schlimmsten Gegner auf seinen kleinsten Wink hin zusammenzuarbeiten. Da ich ein sehr unvollkommener Sterblicher bin, der ewig auf die Gnade Gottes angewiesen ist, steht niemand außerhalb der Erlösung.

Ziviler Ungehorsam – eine rechtsstaatliche Waffe
52. Ziviler Ungehorsam ist der zivile Bruch einer ungesetzlichen Verfügung. Soweit mir bewusst ist, wurde der Ausdruck von Thoreau geprägt. Ziviler Ungehorsam ist kein Zustand der Gesetzlosigkeit und ein Freibrief, sondern er setzt einen das Gesetz einhaltenden Geist und Selbstbeherrschung voraus. Satyagraha besteht zu einer Zeit in zivilem Ungehorsam und zu einer andren in zivilem Gehorsam.
53. Es ist für freiwilligen Gehorsam auch nicht notwendig, dass die einzuhaltenden Gesetze gut seien. Es gibt viele ungerechte Gesetze, die ein guter Bürger befolgt, solange sie weder seine Selbstachtung noch das moralische Wesen verletzen.
54. Eine Regierung, die schlecht ist, hat keinen anderen Platz für gute Männer und Frauen als in ihren Gefängnissen. Da keine Regierung der Welt eine ganze Nation ins Gefängnis sperren kann, muss sie ihrer Forderung nachgeben oder zugunsten einer Regierung abdanken, die für diese Nation geeignet ist.
55. Ungehorsam gegen das Gesetz des Staates wird zu einer unabweisbaren Pflicht, wenn es in Konflikt mit dem Gesetz Gottes gerät.
56. Ein satyagrahi ist nichts, wenn er nicht instinktiv gesetzestreu ist und es ist gerade sein gesetzestreues Wesen, das von ihm bedingungslosen Gehorsam gegen das höchste Gesetz verlangt. Dieses höchste Gesetz ist die Stimme des Gewissens, das alle anderen Gesetze aufhebt.
57. Ein satyagrahi scheint momentan Gesetzen und der organisierten Autorität ungehorsam zu sein, jedoch nur um am Ende seine Achtung für beide zu beweisen.
58. Ziviler Ungehorsam ist die reinste Form rechtsstaatlicher Agitation. Natürlich wird er menschenunwürdig und verachtenswert, wenn sein ziviler, d. h. gewaltfreier Charakter eine bloße Irreführung ist.

Ziviler Ungehorsam – ein bürgerliches Recht
59. Ziviler Ungehorsam ist ein dem Bürger zustehendes Recht. Er darf nicht wagen, es aufzugeben, wenn er nicht aufhören will, ein Mensch zu sein. Auf zivilen Ungehorsam folgt niemals Anarchie. Krimineller Ungehorsam kann dazu führen. Jeder Staat schlägt kriminellen Ungehorsam mit Gewalt nieder. Der Staat geht unter, wenn er es nicht tut. Wenn er jedoch zivilen Ungehorsam niederschlägt, versucht er, das Gewissen ins Gefängnis zu sperren.
60. Vollkommener ziviler Ungehorsam ist eine Rebellion, die nicht das Element Gewalt enthält. Einer, der durch und durch ein Widerständler ist, ignoriert einfach die Autorität des Staates. Er wird zu einem Ausgestoßenen, der den Anspruch erhebt, jedes unmoralische Staatsgesetz missachten zu dürfen. … Unterwerfung unter das Staatsgesetz ist der Preis, den ein Bürger für seine persönliche Freiheit zahlt. Unterwerfung unter ein Staatsgesetz, das ganz und gar oder weitgehend ungerecht ist, ist deshalb ein unmoralisches Tauschgeschäft von Unterwerfung gegen Freiheit. Ein Bürger, dem das üble Wesen eines Staates klar ist, begnügt sich nicht damit, damit zu leben, dass er ihn duldet, … deshalb nimmt er Einkerkerung und andere Gewaltanwendungen gegen sich in Kauf. Das tut er, weil und wenn er die körperliche Freiheit, die er scheinbar genießt, als unerträgliche Bürde empfindet … So betrachtet, ist ziviler Widerstand ein äußerst mächtiger Ausdruck einer Seelenqual und ein beredter Protest gegen die Fortdauer eines üblen Staates.

Voraussetzungen für zivilen Ungehorsam: Disziplin, Gewaltfreiheit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Reinheit
61. Ein geborener Demokrat ist einer, der dafür geboren ist, auf eiserne Disziplin Wert zu legen. Demokratie ist demjenigen natürlich, der gewohnt ist, normalerweise willig allen – menschlichen und göttlichen – Gesetzen zu gehorchen. Ich erhebe den Anspruch sowohl durch Anlage als auch durch Übung Demokrat zu sein. Diejenigen, die den Ehrgeiz haben, der Demokratie zu dienen, soll sich zuerst einmal dadurch qualifizieren, dass sie diesen Härtetest der Demokratie bestehen. Ein Demokrat muss äußerst selbstlos sein. Er darf nicht an sich oder seine Partei denken und von sich und ihr träumen, sondern nur an und von Demokratie. Nur damit erwirbt er das Recht auf zivilen Ungehorsam.
62. Damit Ungehorsam zivil sei, muss er aufrichtig, respektvoll und beherrscht und darf niemals aufsässig sein. Er muss sich auf einige wohlverstandene Prinzipien gründen, darf nicht wechselhaft sein und dahinter darf weder Feindseligkeit noch Hass stecken.
63. Für meine Bewegung brauche ich keine Leute, die an die Theorie der vollkommenen oder unvollkommenen Gewaltfreiheit glauben. Es genügt, wenn sie die Regeln der gewaltfreien Aktion befolgen.
64. Die erste unverzichtbare Vorbedingung für jeden zivilen Widerstand ist, dass Sicherheit vor jedem Ausbruch von Gewalt herrschen sollte, sowohl auf Seiten derer, die zivilen Widerstand leisten, als auch auf Seiten der allgemeinen Öffentlichkeit. Im Fall eines Ausbruchs von Gewalt wäre es keine Rechtfertigung, dass dieser vom Staat oder anderen den zivilen Widerständlern feindlich gesinnten Instanzen angestiftet worden sei. Es sollte offensichtlich sein, dass ziviler Widerstand in einer Atmosphäre der Gewalt nicht gedeihen kann. Das bedeutet nicht, dass die Ressourcen eines
satyagrahi erschöpft wären. Ander Möglichkeiten als ziviler Ungehorsam sollten herausgefunden werden.
65. Die Schönheit von Satyagraha, von dem Nichtzusammenarbeit nur ein Kapitel ist, ist, dass es beiden Seiten in einem Kampf zur Verfügung steht, dass es Überprüfungen hat, die in hohem Maße automatisch für die Verteidigung der Wahrheit und Gerechtigkeit wirken. Es ist eine mächtige und treue Waffe ebenso in der Hand des Kapitalisten wie in der Hand des Arbeiters. Es ist ebenso mächtig in der Hand der Regierung wie in der des Volkes und wird der Regierung den Sieg eintragen, wenn das Volk irregeleitet oder ungerecht ist, und es wird die Schlacht für das Volk gewinnen, wenn die Regierung im Unrecht ist.
66. Bei Satyagraha sind es niemals die Zahlen, die eine Rolle spielen. Es ist immer die Qualität, umso mehr, wenn die Kräfte der Gewalt obenauf sind.
67. Tatsächlich genügt ein einziger VOLLKOMMENER ziviler Widerständler dafür, dass die Schlacht des Richtigen gegen das Falsche gewonnen wird.

QUELLENANGABEN

1. Brief an to Dr. Julian Huxley.
2. Young India, 263331, p. 49.
3. Aus Yeravda Mandir, P. 13.
4. G. A. Natesan & Co., Speeches and Writings of Mahatma Gandhi, p. 346.
5. Youg India, 103-3-‘20, p. 3.
6. G. A. Natesan & Co., Speeches and Writings of Mahatma Gandhi, pp. 346f.
7. Young India, 11-8-’20, p. 3.
8. Harijan, 5-9-’36, p. 237.
9. Harijan, 11-12-’38, p. 327.
10. Harijan, 7-1-’39, p. 417.
11: Harijan: 5-9-‘36: p. 236.
12. Ansprache an Europäer in Germiston (Transvaal) 1908.
13. Harijan: 5-9-‘36: p. 236.
14. Ibid.
15. Ibid.
16. Ibid
17: Harijan, 24-12-‘38, p. 393.
18. Harijan, 20-4-’40, p. 97.
19. Harijan, 26-7-‘42, p. 248.
20. Young India, 11-8-’20, p. 3.
21. Young India, 16-6-’27, p. 196.
22. Young India, 12-8-’26, p.285.
23: Young India, 11-3-’20, p. 13. ‘
24. Harijan, 12-10-’35, p. 276.
25. Ibid.
26. Young India, 14-1-’20, p. 5.
27. Ibid.
28. Ibid.
29: Ibid.
30. Young India, 4-6-’25, p. 189.
31. Young India, 10-2-‘25, p. 61.
32. Young India, 23-9-’26, p. 332.
33. Young India, 20-10-‘27, p. 353.
34. Young India, 26-2-‘25, p. 73.
35, Harijan, 15-4-‘33, p. 8.
36. Ibid.
37. Harijan, 15-4-‘39. P. 86.
38. Harijan, 25-3-’39, p. 64.
39. Young India, 16-4-’31, p. 77.
40. M. K. Gandhi: Satyagraha in South Africa, p. 246.
41. Harijan, 25-3-’39, p. 64.
42. Cited by Roy Walker: The Wisdom of Gandhi, p. 20.
43. Young India, 8-8-’29, p. 263.
44. Young India, 23-3-’22, p. 168.
45. Young India, 9-6-’20, p. 3.
46. Young India. 16-6-’20, p.4.
47. Cited by Walker, op. cit, p. 40.
48. Young India, 21-3-’21, p. 90 and 28-7-’20, p. 2.
49. Yong India, 25-8—’20, p. 2.
50. Young India, 12-9-’29, p. 300.
51. Young India, 4-6-‘25, p. 193.
52. Young India, 23-3-‘21, p. 90 and Walker, op. cit., p. 44.
53. Zitiert von Walker, op. cit., p. 44. .
54. Young India, 22-9-‘21, p. 303 and 1-9-’20, p. 575.
55. Ethical Religion: p. 45.
56. Zitiert von Walker, op. cit., p. 44.
57. Natesan’s collection, p. 302.
58. Young India, 15-12-’21, p. 419.
59. Young India, 5-1-’22, p. 5.
60. Young India, 10-11-‘21, pp. 361-62.
61. Harijan, 27-5-‘39, p. 136.
62. Young India, 24-3-‘20, p. 4.
63. Gandhiji’s Corespondence with Government, p. 169.
64. Harjian, 18-3-’39, p. 53.
65. Young India, 23-6-’20. p. 5.
66. Harijan, 25-3-’39, p. 64.
67. Young India, 10-11-’21. p. 362.

Anmerkung zu 65: Zwar wird Gandhiji in einigen Sammlungen seiner Schriften dieser Text zugeschrieben, aber er wurde wohl von einem anderen mit seiner Erlaubnis und Zustimmung in Young India veröffentlicht.

Uri Avnery: Israel und Palästina auf dem Wege zu einer Zweistaatenlösung?

Betrachtungen zu einer notwendigen Lösung der Krise. Artikel 2015
Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler
Uri2015CoverVorn

Inhalt
Der Felsen unserer Existenz 03.01.
Die Hälfte von Schas 10.01.
In der vordersten Reihe gehen und winken 17.01.
Galants tapfere Tat 24.01.
Lauter Zionisten 31.01.
Flaschenpost 07.02.
Die Kasinorepublik 14.02.
Anti-Was? 21.02.
Eine kostspielige Rede 28.02.
Die Rede 07.03.
Wen soll ich wählen? 14.3.
Der Messias ist nicht gekommen 21.3.
Die israelische Heimfront 28.3.
Wer hat Angst vor der bösen Bombe? 4.4.
Nationale Einheit 11.4.
„Es gibt noch Richter …“ 18.4.
Hunde und Katzen in einem Sack 25.4.
Ein Junge namens Bibi 2.5.
Ein Tag- und Nacht-Albtraum 9.5.
Die Kriegsnarren 16.5.
Wer wird Israel retten? 23.5.
Die Landkarte an der Wand 30.5.
Die Nakba, wie sie wirklich war 6.6.
BDS: der neue Feind 13.6.
Isratin oder Palestrael? 20.6.
Kriegsverbrechen? Wir??? 27.6.
Die zweite Schlacht von Trafalgar 4.7.
Ich bin eine Griechin 11.7.
Der Vertrag 18.7.
Sheldons Handlanger 25.7.
Auf der Suche nach einem Helden 1.8.
Divide et Impera 8.8.
Jüdische Terroristen 15.8.
Der Zauberlehrling 22.8.
Die weich gewordenen Drei 29.8.
Das Gesicht eines Jungen 5.9.
Die wirkliche Gefahr 12.9.
„Red keinen Zionismus!“ 19.9.
Das Furcht-Ministerium 26.9.
Nasser und ich 3.10.
Ein Führer ohne Ruhm 10.10.
Das Preußen der Siedler 17.10.
Weine, geliebtes Land 24.10.
Adolf, Amin und Bibi 31.10.
Der Mufti (Ergänzung) 1.11.
Ariels Katzen 7.11.
Keine Artikel am 14. und 21. 11
Die Herrschaft der Absurdiotie 28.11.
Gedanken am Meeresufer 5.12.
König Bibi 12.12.
Ein einsamer Rechtsanwalt 19.12.
Die Erfindung der Nationen 26.12

Spiritualität und Frieden

Graeme MacQueen
Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler
MacQueen2500

In dem eBuch stellt der Autor Fünf Friedens-Spiritua-litäten Asiens vor, dazu behandelt er Acht Aspekte von Friedensspiritualität. In der Einführung heißt es: „In diesem Buch verteidigen wir weder die Religion an sich noch greifen wir sie an. Zwar achten wir auf Fehler und Gefahren von Religion, aber wir geben sie nicht auf, weil wir viel Inspirierendes und Heilsames darin sehen […] Man muss umdenken, einen neuen Rahmen finden und neue Kategorien erfinden. Das haben wir getan […] Wir hoffen, dass auch Menschen, die sich nicht mit einer der traditionellen religiösen Traditionen identifizieren können, die aber meinen, dass ‚Spiritualität‘ sich auf etwas Gutes und Notwendiges beziehe, dieses Buch lesen und sich positiv am Dialog über Frieden, Religion und Spiritualität beteiligen werden.“

Als pdf in der Deutschen Nationalbibliothek. Katalogeintrag

Israel im arabischen Frühling

Betrachtungen zur gegenwärtigen politischen Situation im Orient

von Uri Avnery

UriBuchBAus dem Englischen von Ingrid von Heiseler
Klagenfurt und Wien: kitab-Verlag 2013.
Bei Kitab

Über das Buch: Die Sammlung enthält Uri Avnerys Kolumnen zu aktuellen Belangen Israels, die wöchentlich auf Hebräisch bei “Gush Shalom”  erschienen sind. Die aktuellen Kolumnen sind in  deutscher Übersetzung (aus dem Englischen) u.a. auf den Websites www.lebenshaus-alb. de und www.nrhz.de (Neue Rheinische Zeitung) zu finden. Die Essays informieren über Israel-Internes und haben dabei Welt und Geschichte im Blick. Das Buch ist eine Gabe zu Uri Avnerys 90. Geburtstag am 10.9.2013.

Über den Autor: Uri Avnery wurde 1923 als Helmut Ostermann in Beckum in Westfalen geboren. 1933 wanderten seine Eltern mit ihm nach Palästina aus. Uri wurde später Mitglied der Untergrundbewegung Irgun und nahm 1948 am Unabhängigkeitskrieg teil. Zwischen 1965 und 1981 war er zehn Jahre lang Mitglied der Knesset. 1982 lernte er in Beirut Yassir Arafat kennen, der ihn später als sehr guten Freund bezeichnete. Avnery kannte alle wichtigen Politiker Palästinas und kämpft seit vielen Jahren  gemeinsam mit dem 1993 von ihm gegründeten Friedensblock „Gush Shalom“ in Wort und Schrift für eine Aussöhnung zwischen Juden und Arabern: Seit Jahrzehnten setzen sie sich für ein Ende der Besetzung und für einen Boykott der Produkte aus den besetzten Gebieten ein. Avnery kritisiert Benjamin Netanjahus Politik und dessen Idee eines Angriffs auf den Iran. Er befürwortet die „Zwei-Staaten-Lösung“ und sieht voraus, ein Großisrael könne mit seiner noch dazu abnehmenden jüdischen Minderheit nur ein jüdischer Apartheidsstaat werden. Als innere Bedrohung Israels sieht er die schnell wachsende Anzahl der Orthodoxen, die weder außerreligiöse Schulbildung erwerben noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen noch Militärdienst leisten.

 

Warum handeln Menschen gewaltfrei?

Geschichte einer Idee

von Ira Chernus

Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler
Belm-Vehrte/Osnabrück: Sozio-Publishing 2012.
Im Buchhandel

ChernusÜber das Buch: Ein großer Teil der geistigen Tradition der Gewaltfreiheit stammt aus den USA. Ihre Wurzeln liegen bei den Täufern zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Mitteleuropa und bei den Quäkern in England. Die meisten großen Führer/innen waren Menschen mit tiefem religiösen und moralischen Glauben. Die Geschichte der Gewaltfreiheit ist ein Prozess endloser Debatten und Erneuerungen. In 13 Kapiteln werden Gruppen und Einzelne vorgestellt, die sich theoretisch und/oder praktisch mit Gewaltfreiheit beschäftigt haben.

Über den Autor: Ira Chernus war Professor für Religionswissenschaft an der University of Colorado, Boulder, CO, USA.  Promotion 1975 von der  Temple University in Philadelphia PA, USA. Er schrieb sieben wissenschaftliche Bücher: U.a.  über  Kernwaffen als kulturelles Symbol, die Ideologie der nationalen Sicherheitsstrategie der USA und die religiöse Interpretation von Krieg und Frieden in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Er verfasst Texte für bekannte progressive Websites über Themen aus den Bereichen Religion, Kultur und politisches Leben der Vereinigten Staaten und über den israelisch-palästinensischen Konflikt.

 

 

100 Lösungsszenarien für Konflikte in aller Welt

 Der Diagnose-Prognose-Therapie-Ansatz

von Johan Galtung

Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler

TRANSCEND University Press German/Deutsch Band 1
Marburg: Tectum Verlag 2011.
Bei Amazon

GaltungZ100Zu den jeweiligen Konfliktregionen in aller Welt stellt Johan Galtung eine friedens-wissenschaftliche Diagnose, gibt eine Prognose darüber ab, wie der Konflikt sich entwickeln wird, und bietet vielfältige Lösungen an, wie eine
Konflikttransformation durch friedliche Mittel vonstatten gehen kann. “Konflikten kann man nicht vorbeugen, wohl aber der Gewalt. Die Konfliktenergie kann in Richtungen gelenkt werden, wo sie positive, gewaltfreie, konstruktive und transformierende Wirkung bekommen kann.” (Galtung)
“In diesem Buch gibt es viel Lösungsorientierung, viel Konfliktlösung und viel  Friedenskultur.” (Ende der Einführung)

Neue Wege zum Frieden

Konflikte aus 45 Jahren: Diagnose, Prognose, Therapie

von Johan Galtung, Carl G. Jacobsen und Kai Frithjof Brand-Jacobsen

Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler
Hrsg.: Bund für Soziale Verteidigung 2003.

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Neue Wege zum Frieden_0001

Das Buch ist auf Englisch zuerst im Jahre 2000 unter den Titel: Searching for Peace. The Road to TRANSCEND bei Pluto Press in London erschienen.

Johan Galtung hat seinen Teil des Buches überarbeitet und erweitert:
100 Lösungsszenarien für Konflikte in aller Welt

Über den Autor: Johan Galtung wurde im Jahr 1930 in Norwegen geboren und gilt als der Begründer der akademischen Disziplin der Friedensforschung. 1959 gründete er mit dem International Peace Research Institute in Oslo das erste Friedensforschungsinstitut Europas. Der promovierte Mathematiker und Soziologe lehrte weltweit an Universitäten.
Neben seinen langjährigen Tätigkeiten für verschiedene UNOrganisationen trat er in zahlreichen Veröffentlichungen für die Verbreitung der Friedensforschung im akademischen und öffentlichen Raum ein. Sein Schwerpunkt liegt hierbei auf den notwendigen und hinreichenden Bedingungen für Frieden. Johan Galtung arbeitet erfolgreich als international anerkannter Mediator und hat eine Methode zur Konflikttransformation entwickelt (TRANSCEND Methode), mit der er in den vergangenen 50 Jahren in über 150 internationalen Konfliktsituationen als Konfliktberater vermittelt hat. Im Jahr 1992 gründete er TRANSCEND International, ein Netzwerk für Frieden, Entwicklung und Umwelt. TRANSCEND vernetzt Mediatoren, Journalisten, Akademiker sowie Praktiker anderer Disziplinen im Bereich der Friedensarbeit weltweit. Im deutschsprachigen Raum arbeiten das TRANSCEND Netzwerk und das Galtung-Institut systematisch mit Johan Galtungs Methoden und geben diese in zertifizierten Kursen weiter.

Umfassende Sicherheit mit friedlichen Mitteln

Analyse der Gefahren und kreative Strategien der Abwendung

von Dietrich Fischer

Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler
Belm-Osnabrück: Sozio-Publishing 2009.

ImBuchhandel

UmfassendeNeu SicherheitÜber das Buch: Mit dem Ende des Kalten Krieges stieg das Interesse daran, die Diskussion über Sicherheit auf nicht
militärische Gefahren auszuweiten. Zwar bleibt die militärische Aggression eine ernsthafte Bedrohung, wie die neuesten Ereignisse zeigen, aber Krieg ist nur eine unter vielen Gefahren, die menschliches Leiden hervorrufen und in denen menschliches Leben auf dem Spiel steht. Darüber hinaus können eine ganze Reihe nicht militärischer Ansätze zum Schutz sowohl gegen militärische als auch gegen nicht militärische Gefahren für die Sicherheit dienen.

Teil I dieses Buches umfasst die Kapitel 1 bis 5.  Es beginnt mit einer Diskussion des Sicherheitsbegriffs im engeren und im weiteren Sinn. Kapitel 2 bietet einen Überblick über und eine Klassifikation von verschiedenen nicht
militärischen Gefahren für die Sicherheit. Kapitel 3 stellt eine Anzahl von Grundmechanismen dar, die für eine große Vielfalt von Gefahren verantwortlich sind. Kapitel 4 analysiert, wie Probleme durch positive und negative Feedback-Zyklen verstärkt oder abgeschwächt werden können. In Kapitel 5 werden die gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Gefahren untersucht und wie sie einander gegenseitig verstärken oder abschwächen.

Teil I beschränkt sich darauf, die Probleme herauszustellen, ohne dass Lösungen vorgeschlagen werden. Das ist dann die Aufgabe von Teil II. Der Sinn dieser
Textanordnung ist es, die Leser dazu anzuregen, über ihre eigenen Lösungen nachzudenken, ehe sie die mit denen vergleichen, die in diesem Buch angeboten werden. Da dieses Buch sich auf allgemeine Prinzipien der nicht militärischen Aspekte der Sicherheit konzentriert und Probleme darstellt, die für die Situation vieler Länder charakteristisch sind, wird im Großen und Ganzen darauf verzichtet, in den Beispielen einzelne Länder beim Namen zu nennen.

Teil II dieses Berichts gibt einen Überblick über verschiedene Strategien zur Verbesserung von Situationen nicht militärischer Gefahren für die Sicherheit und über nicht militärische Methoden, Krieg zu vermeiden bzw. zu verhindern. Kapitel 6 widmet sich der Frage nach der optimalen Ebene, auf der verschiedene Maßnahmen in Angriff genommen werden können. Kapitel 7 bezieht sich auf die sechs möglichen Grundmängel und –Fehler in einem effektiven Feedback-Kontroll-System (Mangel an Übereinstimmung über die Ziele, Mangel an Information über die Abweichung vom Ziel, verfehlte Anreize, verspätetes Feedback, irrationale Reaktionen und die Unfähigkeit, korrigierende Handlungen vorzunehmen) und behandelt Strategien, diese Mängel und Fehler auszugleichen. Kapitel 8 untersucht, wie erwünschte Trends sich gegenseitig verstärken können. Kapitel 9 analysiert, wie natürliche Systeme funktionieren, was wir von ihnen lernen können und welche anderen Modelle, die man nicht in der Natur findet, für das gute Funktionieren sozialer Systeme notwendig sind. Hier wird die Notwendigkeit der Redundanz hervorgehoben, damit Zusammenbrüche im System auch dann vermieden werden, wenn einzelne Komponenten versagen. Betont wird auch die Bedeutung des Vorausblickens, mit dessen Hilfe problematische Situationen verbessert werden können, solange sie noch nicht unlösbar geworden sind.

Das Buch gibt keine Handlungsanweisungen. Es untersucht nur, welche Institutionen, Einstellungen und Handlungen eher zur Erreichung gewisser Ziele führen können. Ebenso wenig schreibt es Ziele vor.

Über den Autor: Prof. Dr. Dietrich Fischer, 1941 in der Schweiz geboren, wurde 1968 an der Universität Bern in Mathematik, Physik und Astronomie promoviert und doktorierte 1976 an der New York University in Informatik.
Er war MacArthur Fellow für Frieden und Sicherheit an der Princeton University und Berater der UNO in Fragen von Frieden, Sicherheit und Entwicklung.
Er ist der ehemalige wissenschaftliche Direktor der World Peace Academy  in Basel, Schweiz, und Vorstandsmitglied der TRANSCEND Peace University.
Neben zahlreichen Artikeln über Frieden und Entwicklung verfasste er Die Zeitbombe entschärfen – Kriegsverhütung im Nuklearzeitalter, 1986, Frieden gewinnen: Strategien und Ehtik für eine nuklearfreie Welt mit Wilhelm Nolte und Jan Oberg, 1987, Warfare und Welfare mit Jan Tinbergen, 1987, und Peaceful Conflict Transformation and Nonviolent Approaches to Security mit Johan Galtung, 1999.

Am 18. Oktober 2015 ist Dietrich Fischer gestorben.

Sich verteidigen ohne anzugreifen

Die Macht der Gewaltfreiheit

von Pat Patfoort

Aus dem Französischen von Ingrid von Heiseler
Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Baden, und
Internationaler Versöhnungsbund Deutscher Zweig 2008.

ImBuchhandel

SichNeuVerteidigenÜber das Buch: „Sich verteidigen, ohne anzugreifen“, „’böse werden’ ohne Aggressivität“, „sich entschädigen, ohne zu bestrafen oder sich zu rächen“ sind die Überschriften der drei letzten Kapitel. Im ersten Teil dagegen wird uns gezeigt: Wir alle agieren im
Entweder-Oder-System: Wir nehmen entweder die „Mehr-“ oder die „Minderposition“ ein. Unser
„Selbsterhaltungstrieb“ veranlasst uns dazu, die Mehrposition einzunehmen, denn, da wir keine dritte Möglichkeit kennen, müssten wir uns sonst mit der Minderposition abfinden. Der Selbsterhaltungstrieb ist neben der Verschiedenheit der Menschen und der Kommunikation eines der Elemente, die Pat Patfoort ihrem Konfliktmodell zugrunde legt. Indem wir versuchen, aus der Minderposition herauszukommen, setzen wir uns in die Mehrposition: entweder dem „Angreifer“ gegenüber  – und bringen damit eine „Eskalation“ – oder einem unbeteiligten Dritten gegenüber – und bringen damit eine „Kette“ – in Gang, die sogar wieder zu uns zurückführen kann. Wenn wir uns nicht aus der Minderposition erheben können, richten wir unsere Aggressivität möglicherweise gegen uns selbst („Internalisierung“). Keins davon führt jedoch zum gewünschten Erfolg, denn dass das Mehr-minder-System „funktioniert“, ist „eine Illusion“ (Kapitel 9). Aber es gibt noch ein anderes System: das Gleichrangigkeitssystem. Es bietet uns eine „3. Art der Reaktion“. Die Gleichrangigkeitsposition ist die einzig „starke“, denn sie provoziert weder Gegenreaktionen (Eskalation) noch bringt sie eine „Kette“ in Gang.

Wer im Gleichrangigkeitssystem handelt, handelt gewaltfrei. Auch wenn es nicht immer eine 100%-ig gewaltfreie Lösung geben wird,  bringt allein schon die Atmosphäre der
Gleichrangigkeit bzw. der Gewaltfreiheit, in der die Parteien gemeinsam nach Lösungen suchen, eine Annäherung der entgegengesetzten Positionen. Auf diese Weise können Konflikte gemeinsam mehr oder weniger gewaltfrei gelöst werden.

Die Art der Kommunikation spielt dabei die Hauptrolle, denn Menschen teilen einander – verbal und nonverbal – mit, welche Position sie dem anderen gegenüber einnehmen (wollen) und welche sie damit dem anderen zuweisen (wollen). Deshalb ist das kommunikative Handeln von besonderer Bedeutung.

Kommentar: Dieses Buch macht Epoche: Leserinnen werden ihr Leben einteilen in eine Zeit, bevor sie das Buch gelesen hatten, und in eine Zeit danach.

Das Buch liefert einfache Kategorien, mit denen unser täglicher Umgang miteinander ebenso wie der von Repräsentanten auf hoher politischer Ebene, ja ganzer Völker miteinander beobachtbar und beschreibbar wird. Damit, dass er beschreibbar wird, wird er beeinflussbar.

Allein schon die Lektüre des Buches ist durch seine Intensität und Eindringlichkeit eine Einübung in das Gleichrangigkeitssystem. Dazu kommen noch die angehängten Übungen, die zum Teil vermutlich sehr tief gehen. Der Übungsteil bezieht sich auf den Text des Buches, ist also nicht abzutrennen und einzeln zu verwerten. Mit Hilfe der Übungsanleitungen können Einzelne und kleine Gruppen ohne Leitung erfolgreich arbeiten (bzw. größere mit einer Gruppenmoderatorin, die keine zusätzliche Kompetenz braucht, da inhaltlich im Buch alles vorgegeben ist).

Anders als andere Anleitungen zu „erfolgreicher” Kommunikation legt das Buch  den
Schwerpunkt auf die Beobachtung unserer Handlungsweise und steckt für das neue Handeln eher einen Rahmen ab,  als dass es einfache Handlungsanweisungen gibt.

Man möchte das Buch jungen Paaren zur Hochzeit und Eltern zur Geburt ihres Kindes schenken! Für Lehrer sollte es zur Pflichtlektüre werden und es wäre auch als Klassenlektüre – etwa im Rahmen von Sozialkunde oder Friedenserziehung – geeignet. Unabdingbar wird es für das „Friedenstraining“ sein! (die Übersetzerin)

Über die Autorin: Die Belgierin Pat Patfoort, Jahrgang 1949, ist Anthropologin. Sie ist Trainerin und Mediatorin für Konflikttransformation und gewaltfreie Konfliktbearbeitung und Dozentin an Universitäten in Belgien, Italien, den Niederlanden, Schweden, Sapanien, den USA, Russland und anderen Ländern. Sie war Moderatorin von Dialog- und Versöhnungsprojekten bei Konflikten zwischen ethnischen Gruppen (u. a. im Kaukasus, Kosovo, Ruanda, Ost-Kongo und Senegal). Sie arbeitete mit Kindern, Jugendlichen, Eltern, Lehrern, Studenten, Strafgefangenen, Richtern, Polizisten, Gewerkschaftlern, Krankenschwestern u. a.  Außerdem Zusammenarbeit mit Quäkern, katholischen Organisationen (z. B. Pax Christi und Caritas), der OSZE, dem Europarat, dem belgischen Außenministerium und der UNO.

Die Macht der Vergebung

von Michael Henderson

Mitarbeit und Übersetzung aus dem Englischen: Ingrid von Heiseler
Hrsg. Bund für Soziale Verteidigung
Deutsche Originalausgabe      Oberursel: Publik-Forum 2007.
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VergebungNeuÜber das Buch: Eine Reise durch mehrere Kontinente an die Brennpunkte der Konflikte und Kriege der letzten hundert Jahre. Journalistische Berichte  über die erstaunlich vielen realen Projekte der Entfeindung: Südafrika, Australien, Nordirland, “Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg”, “Brennpunkt Naher Osten: Juden – Christen – Muslime”

Kommentare:
Wenn wir an Vergebung denken, kann sich die Furcht einstellen, das Böse könnte ungestraft bleiben. Das Wort klingt so, als könnte es bedeuten, dass Menschen das Recht, das Böse zu bestrafen, aufgeben. Aber trotzdem muss ich sehen, was das Böse mir antut: Es bewirkt, dass ich Böses mit Bösem vergelten will. Ich sehe dann alles durch die dunkle Brille des Bösen. Es lähmt mich und entfremdet mich dem Leben. Vergeben bedeutet, dem Bösen Lebewohl zu sagen, damit man nicht mehr davon gelenkt wird.
Der Prozess der Versöhnung mag sich in die Länge ziehen, weil auch die andere Seite ihre Verfehlungen erkennen muss. Wenn ich aber vergebe, dann muss ich damit nicht warten und Zeit verlieren. Vergebung gibt mir die Freiheit, jetzt sofort zu lieben. Wenn wir diese Freiheit erreichen, dann wird uns klar, dass diejenigen, die Böses getan haben, selbst Opfer sind. Wir verlieren gar nichts, wenn wir vergeben, sondern wir empfangen im Gegenteil ein Geschenk. (Pfarrer Andrija Vrane Bosnien 1998)

Das Buch spricht alle Menschen an, die von dem Wunsch erfüllt sind, dass die Ketten der Gewalt und des Hasses durchbrochen werden. Erzbischof Desmond Tutu urteilte über das Buch: “Ein zutiefst bewegendes und beredtes Zeugnis der Macht der Vergebung sowohl in dem Leben der Individuen und der Gemeinschaften als auch zwischen und innerhalb der Nationen. Es stärkt den Wandel – ein starkes Buch.”

Über den Autor: Der 1932 geborene Engländer und Inhaber der irischen Staatsbürgerschaft Michael Henderson ist Journalist und arbeitet beim Radio. In den 1950er Jahren verbrachte er zwei Jahre in Deutschland. Von 1979 bis 2000 lebte er als Fernsehmoderator in den USA. Er ist mit den “Initiativen der Veränderung”, früher “Moralische Aufrüstung”, eng verbunden. Er lebt in North Devon in Endland.